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Bild: Detlef Wiedemann
Detlef Wiedemann

Dann zapfe ich das Bier vom Rolli aus

Detlef Wiedemann führt seine Ein-Mann-Kneipe trotz Querschnittlähmung weiter | Die BGN half

von Elfi Braun
Akzente 6/2008 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Gastwirt Detlef Wiedemann ist seit 5 Jahren querschnittgelähmt. Er war beim Kirschenpflücken für seine Kneipe vom Baum gefallen. Seinen Ein-Mann-Betrieb wollte er trotz der schweren Unfallfolgen nicht aufgeben: »Dann zapfe ich das Bier vom Rollstuhl aus.« Die BGN hat ihn bei diesem Vorhaben unterstützt.


In seiner Bogenschänke im südbrandenburgischen Fichtenberg ist Detlef Wiedemann der Boss. Hier läuft alles nach seinen Vorstellungen, hier ist seine Welt. Und die sieht sehr originell aus. Denn Detlef Wiedemann ist ein passionierter Handwerker und hat in seiner Kneipe fast alles selbst gebaut. Die Tischplatten sind gläserne Vitrinen, in denen er seine Zollstock-Sammlung ausstellt. Die Thekenfront besteht aus schmalen, beleuchtbaren Schaukästen, die seine Miniatur-Lkw-Sammlung beherbergen. Die Wänden hängen voll mit alten Werbeschildern für Biere. Jeden Tag zur Feierabendzeit wird die Bogenschänke zum Wohnzimmer und Kommunikationszentrum für die Leute aus dem Ort. Und auch der heimische Fußballverein hat hier seine Stammkneipe. Detlef Wiedemann erzählt: »Die Geselligkeit einer Kneipe hat mir schon immer gefallen. 1996 kamen meine Frau und ich auf die Idee, im Nebengebäude gegenüber unserem Wohnhaus eine Kneipe zu machen. Die haben wir dann neben unseren regulären Jobs betrieben. Anfang 2003 wurde ich arbeitslos. Seitdem habe ich mich voll in den Betrieb reingehängt und Öffnungszeiten und Angebote erweitert.« Und dann geschah im Sommer der Unfall.

Wieder auf Augenhöhe mit den Gästen
Detlef Wiedemann erinnert sich: »Als sich der Schock langsam legte, fing ich an, über meine Situation nachzudenken. Ich merkte schnell: Das will und kann ich nicht aufgeben. Da steckt viel Herzblut drin. Die Bogenschänke ist meine Existenz. Ich mache weiter.« Die BGN unterstützte ihn dabei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. BGN-Berufshelfer Detlef Grossmann erklärt: »Ziel war es, dass Herr Wiedemann sowohl seine Gaststätte selbstständig weiterführen als auch seinen häuslichen Lebensraum ohne fremde Hilfe nutzen kann. Dazu waren in Gaststätte und Wohnung Umbaumaßnahmen notwendig.« In der ebenerdig gelegenen und ohne Stufen erreichbaren Gaststätte war der barrierefreie Umbau problemlos möglich. Die Eingangstür wurde verbreitert und der Bereich hinter der Theke wurde vergrößert und so umorganisiert, dass sich Detlef Wiedemann im Rollstuhl dort uneingeschränkt bewegen und alles erreichen kann. wiedemann erzählt: »Zuerst wollten wir die Theke auch niedriger machen, damit ich vom Rollstuhl aus an alles herankomme. Aber meine Frau, die hier manchmal hilft, hätte dann in gebückter Haltung arbeiten müssen. Das ist unpraktisch.«
Die betreuenden Ärzte und Therapeuten im BG-Unfallkrankenhaus Berlin hatten eine andere Idee. Sie schlugen dem Gastwirt vor, bei der Arbeit einen Stehrollstuhl zu benutzen. Mit diesem Rollstuhl kann er sich in eine stehende Position fahren, aus der heraus er mit der alten Thekenhöhe zurechtkommt. Wiedemann: »Ich konnte zunächst ausprobieren, ob ich mit dem Stehrollstuhl klarkomme. Es hat geklappt.« Schmunzelnd fügt er hinzu: »So bin ich wieder auf Augenhöhe mit meinen Gästen.«
Eine weitere Voraussetzung, damit Detlef Wiedemann als Gastwirt ohne fremde Hilfe klarkommt, ist seine Mobilität. Mit seinem behindertengerecht umgebauten Pkw erledigt er den Wareneinkauf im Großmarkt weiterhin alleine. Die Kosten für den Pkw-Umbau sowie für Einweisung und Fahrstunden übernahm die BGN. Wiedemann: »Ich musste praktisch neu fahren lernen.«

Aufwändiger Umbau des Wohnhauses
In Detlef Wiedemanns Wohnhaus waren umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig. Im Erdgeschoss musste der Flur verbreitert und ein Raum für ein barrierefreies Bad gebaut werden. Da sich ein
Bild: Detlef Wiedemann
Wohnbereich mit allen notwendigen Zimmern auf einer Ebene nicht realisieren ließ, wurde im Erdgeschoss am Übergang zwischen Neu- und Altbau eine Hebeplattform eingebaut. Ins Obergeschoss gelangt Detlef Wiedemann mit einem Aufzug.
Berufshelfer Grossmann erinnert sich: »Bei den Umbaumaßnahmen hatte Herr wiedemann genaue Vorstellungen und brachte gute Vorschläge ein.« Auch bestand er darauf, die Arbeiten selbst zu überwachen und die ein oder andere einfache Arbeit selbst durchzuführen. Grossmann: »Herr Wiedemann hat bei allem sehr gut mitgezogen und Verantwortung übernommen. Wir blieben deutlich unter der veranschlagten Bausumme.« Detlef Wiedemann empfindet die Unterstützung der BGN als große Erleichterung. »Ich bin froh, dass die BGN sich so gut gekümmert und geholfen hat. Sonst hätte ich alles alleine organisieren und finanzieren müssen. Das wäre sehr schwer gewesen.« Für die geminderte Erwerbsfähigkeit zahlt ihm die BGN eine Rente. Die Versicherung in der BGN, auch wenn sie jetzt freiwillig ist, steht für Detlef Wiedemann außer Frage: »Ich bleibe auf jeden Fall dabei. Man weiß nie, was noch kommt.«

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